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Mag. Olivia Wollinger

Shiatsu - Ernährung - Seminare - Fruchtbartkeitsmassage










































































































































































































































Die Sucht nach dem Essen

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Esssucht - Womit haben wir es zu tun?

Viele Frauen, die von Esssucht geplagt sind, möchten diese am liebsten so schnell wie möglich los werden. Dies ist verständlich, denn die Esssucht wird als belastend und störend erlebt. Trotzdem kann es von Bedeutung sein, die Esssucht genau zu betrachten um zu verstehen, warum sie im eigenen Leben eingezogen ist. Manchmal ist es bereits eine große Hilfe zu erfahren, dass die eigenen Symptome, unter denen man Tag für Tag leidet, auch anderen Frauen sehr gut bekannt sind.

Allen Essstörungen ist eine intensive Beschäftigung mit dem eigenen Körper sowie mit den zu sich genommenen Nahrungsmitteln gemeinsam. Die Gedanken der Betroffenen kreisen so gut wie ständig um Gewicht, Kalorien, essen bzw. nicht essen.

Die bekanntesten Formen sind Magersucht und Bulimie. Weniger bekannt, jedoch genauso unerträglich für die Betroffenen ist Bulimie non-purging type (=binge eating)

Diese Webseite richtet sich vor allem an Personen mit Essanfällen. Die reine Magersucht wird daher nur kurz behandelt. Allerdings lässt sich feststellen, dass sich zahlreiche Merkmale der verschiedenen Esssucht Arten überschneiden: Viele magersüchtige Menschen finden sich in den Symptomen der Bulimie bzw. Bulimie non-purging type wieder und umgekehrt.

Landläufig sind die Essstörungsformen Magersucht und Bulimie sehr bekannt. Ersteres wird vor allem mit wenig bis gar nichts essen bzw. mager sein assoziiert, letzteres mit Erbrechen des Essens.

Zwischen diesen beiden Formen gibt es allerdings zahlreiche Abstufungen: Beispielweise gibt es BulimikerInnen, die zwischen Phasen von Essattacken fasten. Es gibt Magersüchtige, die das Wenige, das sie zu sich nehmen, erbrechen. Weiters gibt es Betroffene, die regelmäßige Essanfälle haben, allerdings nicht erbrechen (= Bulimie non-purging type, binge eating)

Das bedeutet, dass man an einer Essstörung leiden kann, ohne mager zu sein bzw. ohne zu erbrechen. Dies zu wissen ist wichtig, um den Ernst der Situation zu erkennen in der man steckt. Denn vielfach handelt es sich eben nicht um einen bloßen "Diättick" oder "zu wenig Disziplin" sondern um eine Essstörung.

Die Beschäftigung mit den Symptomen und Ursachen und die Einsicht in das Krankheitsbild ist für Betroffene wesentlich, um eine Idee zu bekommen, wo die Hilfe zur Selbsthilfe ansetzen könnte.

Noch zu erwähnen ist, dass immer mehr Männer an Essstörungen leiden. Wenn also hier von Frauen die Rede ist, sind Männer und Frauen gleichermaßen gemeint.

Magersucht

Die Magersucht (Anorexie, Anorexia nervosa) ist vor allem durch Hungern und starke Gewichtsabnahme gekennzeichnet.

Typisch für Magersucht:

Ständiges Fasten kann zu körperlichen Folgeschäden führen:

Es kommt zu einem Absinken des Stoffwechsels, des Pulses, des Blutdrucks und der Körpertemperatur. Der Körper stellt sich auf eine Hungerperiode ein und fährt sozusagen seine Systeme herunter. Dies führt zu Müdigkeit, Frieren und Verstopfung. Es kommt zu hormonellen Veränderungen, die sich in trockener Haut oder brüchiger Haut und auch im Ausbleiben der Menstruation äußern (zu beachten: Bei Einnahme der Pille zur Schwangerschaftsverhütung tritt die Menstruation trotz Magersucht weiterhin ein).

In extremen Fällen kommt es zu einer Veränderung der Körperbehaarung, es bildet sich eine Art Fell als Schutzmaßnahme des Körpers. Langfristig können Osteoporose (= Verringerung der Knochendichte) sowie Organschäden auftreten. In schwerwiegenden Fällen hungern sich die Betroffenen buchstäblich zu Tode.

Die seelischen Folgen sind z.B.

der ständige zwanghafte Vergleich mit anderen Menschen, ein starkes Kontrollbedürfnis, Schuldgefühle, wenn etwas schmeckt, Angst vor eigenen Bedürfnissen, Selbsthass, Geiz, zwanghaftes Verhalten (Waschen/Putzen), sozialer Rückzug, depressive Verstimmungen, manchmal auch selbst verletzendes Verhalten.

Ausführliche Beschreibungen der Symptome befinden sich zum Beispiel auf

http://www.magersucht-online.de/anzeiche.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Magersucht
http://www.bzga-essstoerungen.de/essstoerungen/magersucht

Bulimie - Bulimie non purging type (binge eating)

Die Bulimie ist vor allem durch wiederholte Attacken von Heißhunger ("Essanfälle", "Fressattacken") gekennzeichnet. Um nicht zuzunehmen, setzen die Betroffenen Ausgleichshandlungen wie selbst herbeigeführtes Erbrechen, Missbrauch von Abführmittel, Fasten und / oder exzessiven Sport.

Bulimie und Bulimie non-purging type (=binge eating) unterscheiden sich nur davon, dass bei letzterem das Essen nicht erbrochen wird, ansonsten sind die Symptome gleich.

Menschen mit Bulimie können jedes Körpergewicht haben, von sehr dünn bis stark übergewichtig (= Adipositas), abhängig von Konstitution bzw. den Ausgleichshandlungen, die zwischen den Essanfällen gesetzt werden.

Hauptmerkmal der klassischen Bulimie und auch der Bulimie, non-purging type (binge eating) sind die Essanfälle.

Essanfälle

Essanfälle sind begleitet von einem Gefühl von Zwanghaftigkeit, das Gefühl "Ich will es so sehr, dass ich alles umrennen werde, was sich mir in den Weg stellt". Dem Esszwang zu widerstehen ist, wenn überhaupt, nur mit äußerster Willenskraft möglich. Er überkommt, überrollt einen geradezu.

Während eines Essanfalls stopfen die Betroffenen wahllos Nahrungsmittel in sich hinein, oft solange, bis ihre körperlichen Beschwerden sie zwingen aufzuhören. Sie essen hauptsächlich Lebensmittel, die sie sich verbieten.

Essanfälle sind oft begleitet von schlimmen Schuld- und Schamgefühlen. Nachfolgend die Beschreibung dieser Gefühle mit den Worten von Betroffenen:

Körperlichen Folgeschäden

Diese hängen davon ab, wie versucht wird, die Essanfälle rückgängig zu machen, also durch Erbrechen, Abführmittel, Fasten. Auftreten können Herzrhythmusstörungen, Kreislaufprobleme, Zahnschmelzschäden (entstehen v.a. durch die erbrochene Magensäure), Kalium-/Magnesiummangel und/oder Nierenschäden.

Viele Betroffene fühlen sich "aufgeschwemmt" bzw. "aufgedunsen", ihr Haar verliert an Glanz oder fällt aus und die Haut wird unreiner. Häufig treten auch Schlaf und/oder Konzentrationsstörungen auf.

Einfluss der Essstörung auf das tägliche Leben

Das Leben der Betroffenen dreht sich v.a. um Essen, Figur und Abnehmen. Die Sucht beeinflusst oder dominiert sogar viele Bereiche im Privat- und auch Berufsleben.

Lassen wir auch hier Betroffene selbst zu Wort kommen:

Wenn Sie sich bei den oben angeführten Aussagen wieder finden, so ist es höchste Zeit, sich zum Thema Esssucht Gedanken zu machen.


Wege aus dem Teufelskreis "Essen-Diät-schlechtes Gewissen"

"Ich hasse sie, diese quälenden Essanfälle. Ich kann nichts gegen sie tun, sie überrollen mich unangemeldet mit einer enormen Wucht. Ich denke fast die ganze Zeit an Essen und Abnehmen. Ich halte das nicht mehr aus. Bitte sag mir, wie ich das loswerden kann. Bitte."

Ungefähr so hört es sich an, wenn jemand, verzweifelt über seine Esssucht, nach Hilfe sucht.

Eigentlich ist die gestellte Frage denkbar einfach: "Wie werde ich die Esssucht los". Doch leider ist die Antwort darauf sehr schwierig und komplex. Wie schön wäre es, nun ein zehn Schritte Programm aus dem Hut zu zaubern "10 Schritte aus der Esssucht in 10 Wochen, Rückfälle ausgeschlossen!"

Ein solches oder ähnliches Versprechen abzugeben wäre unseriös. Den einen Weg, der für alle gültig ist, gibt es nicht. Dies gilt für den Weg aus der Esssucht, wie auch für die Wege aus allen anderen Krisensituationen im Leben. Jeder Einzelne muss seinen eigenen Weg finden.

Jeder ist unterschiedlich, jeder hat seine ganz eigene Geschichte und seine ganz persönlichen Vorlieben. Was dem Einen hilft, hilft dem Anderen überhaupt nicht und umgekehrt.

Auch die Dauer des Genesungsprozesses lässt sich nicht abschätzen. Es ist auf jeden Fall ein längerer Prozess, auf den man sich einstellen muss. Als Betroffene hört man das nicht gerne. Die Esssucht ist so quälend, so beängstigend, dass man meint, sie keine Sekunde mehr länger ertragen zu können.

Esssucht ist ein sehr komplexes Thema. Die Essanfälle, das ständige Denken an Essen und Abnehmen sind nur das Symptom, quasi die
Spitze des Eisberges . Darunter verborgen liegen die Ursachen, die es nach und nach zu entdecken und zu bearbeiten gilt.

Wenn ich Ihnen hierfür schon kein "10-Schritte-Erfolgsprogramm" präsentieren kann, so gibt es doch einige Schritte, die meiner Erfahrung nach auf dem Weg aus der Esssucht eine wichtige Rolle spielen:

Information über Esssucht

Oft ist es schwierig den Tatsachen ins Auge zu sehen. Es ist nur möglich, einen Weg aus der Esssucht zu finden, wenn Sie wissen, womit genau Sie es zu tun haben. Als Informationsquellen hierfür dienen z.B. zahlreiche Internetseiten sowie einschlägige Bücher.

Sie müssen versuchen, ehrliche und möglichst konkrete Antworten auf folgende Fragen zu finden:

und die vermutlich schwierigste Frage:

Einen Schritt nach dem anderen gehen

Der Weg aus der Esssucht beginnt meist damit, dass man verzweifelt vor einem großen Berg an undefinierbarem Gefühlschaos oder ungelösten Problemen steht. Unweigerlich tauchen quälende Fragen auf: "Das alles soll ich bewältigen? Wie soll das gehen?" gepaart mit dem verzweifelten Ausruf: "Das schaffe ich nie!"

Lassen Sie sich von der Fülle der Informationen und von den Veränderungen, die vielleicht noch vor Ihnen stehen, nicht entmutigen. Sie leiden vermutlich schon jahrelang (wenn nicht Jahrzehnte) an Ihrer Essstörung! Sie lässt sich daher auch nicht von heute auf morgen beseitigen.

Stellen Sie sich Ihre Essstörung als einen Berg von großen Steinen vor: Jeder Stein steht für eine bestimmte Ursache Ihrer Essstörung. Ziel ist es, diesen Berg so weit als möglich abzutragen - also die Ursachen Ihrer Essstörung zu finden. Am liebsten würden Sie nun alle Steine auf einmal nehmen und sie weit von sich werfen. Stimmt´s? Dies ist leider nicht möglich, denn niemand hat die Kraft, einen großen Steinhaufen mit einem Mal abzutragen.

Sie können aber sehr wohl vor den Berg treten, einen einzelnen Stein nehmen und ihn wegtragen. Ein Stein scheint zu Beginn vielleicht wenig. Doch wenn Sie später noch einen Stein nehmen und noch einen und noch einen und immer fort, dann wird der Berg sichtlich kleiner und Sie haben noch genügend Kraft für die darauf folgenden Steine. Es kann sehr spannend sein, diese "Ursachensteine" sorgfältig anzusehen, zu untersuchen, zu ergründen und Lösungen zu finden. Es ist wie ein Puzzle des Lebens, Ihres Lebens.

Wichtig ist, dass Sie den ersten Schritt gehen - um bei unserem Bild zu bleiben - den ersten Stein nehmen. Es ist eigentlich gleichgültig, welcher das ist.

Sie surfen gerade im Internet und informieren sich über Esssucht. Das ist ein wichtiger Schritt! Vielleicht finden Sie eine Idee, einen Gedanken, der Sie anspricht. Verfolgen Sie ihn weiter, das ist dann der nächste Schritt. Haben Sie Vertrauen, dass Sie den darauf folgenden Schritt sehen werden, wenn Sie so weit sind.

Es ist wie bei einer Wanderung. Manchmal sieht man die Wegmarkierung nicht mehr. Man geht ein Stück nach vorne, schaut nach links und nach rechts und siehe da, die Markierung ist wieder sichtbar. Man weiß plötzlich wieder, wie es weiter geht.

Gehen Sie Schritt für Schritt vorwärts. Überfordern Sie sich nicht. Neue Verhaltensmuster und Denkensweisen zu entwickeln, erfordern immer mehr Anstrengung und Mut, als bei den Alten zu bleiben. Wenn die neuen Muster und Gedanken einmal erworben sind, ersetzen sie ganz automatisch die Alten. Sie werden beständig und Sie möchten sie dann sicher nicht mehr aufgeben wollen.

Wie bei einer Wanderung ist es auch am Weg aus der Esssucht notwendig, Pausen einzulegen. Ständig an sich zu arbeiten, sich zu hinterfragen und sich seinen Problemen zu stellen ist mühsam und verlang einem viel ab. Gönnen Sie sich ganz bewusst Auszeiten. Seien Sie sich nicht böse, wenn der nächste Schritt auf sich warten lässt. Seien Sie nicht zu streng mit sich selbst auf Ihrem Weg.

Hilfe suchen

Vor allem zu Beginn stellt das Internet ein wunderbares Medium dar, um Hilfe zu suchen. Beispielsweise bieten Ihnen online Foren die Möglichkeit, sich anonym mit anderen Betroffenen auszutauschen. Auch aus Büchern sind zahlreiche Ideen zu holen.

Langfristig sollten Sie sich aber überlegen, den Schritt aus der Anonymität zu wagen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es ist sehr befreiend, endlich über seine Qualen zu sprechen um Verständnis und Mitgefühl zu erfahren. Professionisten können Ihnen helfen, nicht mehr im Symptom hängen zu bleiben, sondern an den Ursachen Ihrer Esssucht aktiv zu arbeiten.

Haben Sie keine Angst, ausgelacht zu werden. Seriöse Professionisten nehmen Sie ernst, gleichgültig welches Problem Sie beschäftigt.

Psychotherapie

Psychotherapie hilft bei der Bearbeitung von seelischen Problemen. Verlassen Sie sich bei der Suche Ihres Therapeuten auf Ihr Gefühl. Wenn Sie wirklich bereit für Therapie sind, werden Sie den für Sie richtigen Therapeuten finden.
Woran erkennen Sie, dass der Therapeut oder die Therapeutin gut zu Ihnen passt? Wichtig ist, dass Sie sich gut aufgehoben fühlen und dass Sie gerne zur Therapie gehen. Sie sollten das Gefühl haben, alles besprechen zu können und sich auf Ihrem Weg aus der Esssucht unterstützt fühlen. Wesentlich ist, dass Sie spüren, dass Ihre Therapie Sie weiter bringt. Sollten Sie diesen Eindruck nicht haben, so flüchten Sie nicht gleich, sondern besprechen Sie das mit Ihrer/m Therapeut/in. Vielleicht sind Ihre Erwartungen einfach zu hoch gesteckt. Verlieren Sie nicht die Geduld mit sich selbst.

Körperarbeit

Esssüchtige haben üblicherweise ein gespanntes Verhältnis zu ihrem Körper. Um ein besseres Körpergefühl zu erlangen und um sich besser zu spüren, kann Köperarbeit eine gute Unterstützung sein. Es gibt zahlreiche Methoden z.B. Shiatsu , Reiki, QiGong, Taiji, Yoga, Biodanza, CDs mit Köperreisen etc…. Wichtig ist es auch hier, dass es Ihnen Spaß macht und Sie sich wohl fühlen.

Selbsthilfegruppen, Vorträge, Seminare, Ex-Betroffene

Weitere Möglichkeiten bieten Selbsthilfegruppen, einschlägige Vorträge oder Seminare , in denen Sie auf Gleichgesinnte treffen. Es ist beruhigend zu erfahren, dass Sie nicht die Einzige auf dieser Welt mit diesen quälenden Problemen sind. Sie fühlen sich dann nicht mehr ganz so abnormal. Vielleicht haben Sie auch die Möglichkeit, mit
Ex-Betroffenen zu sprechen, das macht Mut und gibt neue Hoffnung.

Ernährungsberatung

Hilfreich kann auch das Aufsuchen einer Ernährungsberatung sein, z.B. nach den fünf Elementen . Meiner Erfahrung nach ist es wichtig, bei der Wahl des/r Ernährungsberaters/in darauf zu achten, das sie/er mit Ihnen gemeinsam einen Schritt nach dem anderen geht. Es ist üblicherweise schwer, einem neuen Ernährungsplan lückenlos zu befolgen. Machen Sie sich bewusst, dass Ihre Ernährung das Symptom Ihrer Esssucht, keineswegs jedoch die Ursache ist.

Wichtig: Körperarbeit, Ernährungsberatung, Seminare u.ä. ersetzen keine Psychotherapie. Sie stellen bloß eine Ergänzung dar. Weiters sollten Sie bei körperlichen Beschwerden unbedingt ärztliche Hilfe in Anpruch nehmen und den weiteren Weg abklären.

Essanfälle möglichst akzeptieren

Die Essanfälle zu akzeptieren ist schwierig. Die Essanfälle sind das, was Sie am meisten hassen. Sie sind das Symptom und sie werden gehen, wenn es an der Zeit ist.

Dies macht den meisten Betroffenen große Angst. "Soll das bedeuten, dass ich diese Essanfälle noch weiter ertragen muss?" Bei dieser Frage kann ich Sie ein wenig beruhigen. Die Essanfälle werden Sie zwar vermutlich noch einige Zeit begleiten, doch nach und nach wird sich ihre Qualität verbessern. Beispielsweise werden Sie nicht mehr unzählig viele Speisen durcheinander essen, sondern "nur" noch die dreifache Menge einer Speise. Sie werden nach einem Essanfall nur noch das halbe Chaos in der Küche hinterlassen, da er Sie nicht mehr mit Wucht völlig unerwartet überwältigt. Der Essanfall fühlt sich nicht mehr ganz so eklig an und ist leichter zu ertragen.

Am besten rechnen Sie damit, dass Sie wieder einen Essanfall haben werden. Dann überrascht er Sie nicht mehr und Sie müssen nicht das Gefühl haben, versagt zu haben. Aus meiner Erfahrung ist es hilfreich das Ziel "Ich will keine Essanfälle mehr" zum Beispiel mit dem Ziel "Ich will lernen, meinem Körper und meiner Seele zu geben was sie brauchen" zu ersetzen.

Wenn ein Essanfall Sie überrollt hat, versuchen Sie möglichst nett zu sich zu sein. Bestrafen Sie sich nicht noch weiter, denn Ihr Essanfall ist sowieso schon ein Aufschrei Ihrer Seele.

Konkret bleiben

Aussagen wie "Ich will nie wieder einen Essanfall haben", "Ab jetzt werde ich immer nein sagen wenn mir etwas nicht passt" oder "Ab jetzt werde ich mich selbst lieben" sind sehr hochgesteckte Ziele, die kaum zu erfüllen sind. Wer kann schon immer alles "richtig" machen.

Kleine Ziele wie: "Wenn ich merke, dass der Essanfall kommt, setze ich mich zunächst eine Minute lang hin" oder "Wenn mich mein Chef nach Dienstschluss anruft werde ich nicht mehr automatisch abheben" oder "Ich werde mich einmal täglich für etwas loben, das ich an mir mag." sind leichter zu ereichen.

Durch Ihre Wegbegleiter (TherapeutInnen, Literatur….) werden Sie zahlreiche Ideen für solche kleinen Ziele bekommen. Nehmen Sie sich nicht zu viel auf einmal vor. Eins nach dem anderen, ein Schritt nach dem anderen.

Selbstliebe erlernen

Sie haben bestimmt schon den gut gemeinten Ratschlag "Liebe dich selbst" gehört. Leichter gesagt als getan.

Selbstliebe kann man lernen, dies benötigt aber Zeit und Geduld. Ein erster Schritt ist z.B. zu beobachten, wie Sie eigentlich mit sich selbst sprechen. Reden Sie so, wie Sie zu sich selbst reden auch mit anderen? Oder kann es sein, dass Sie sich selbst bei jeder erdenklichen Situation erniedrigen z.B. wenn Sie sich in den Spiegel sehen oder Sie sich strenge Vorwürfe machen wegen eines kleinen Missgeschicks. Versuchen Sie nach und nach netter mit sich zu sprechen, gut zu sich zu sein.

Wenn Sie sich selbst akzeptieren und mit sich selbst im Reinen sind, kann dies einiges bewirken. Hier einige Beispiele aus meiner Erfahrung:

Selbstliebe hat nichts zu tun mit Egoismus. Wer gut auf sich selbst schaut, hat viel mehr Kraft um für andere da zu sein.

Selbstliebe ist eng mit Selbstsicherheit verknüpft. Nachfolgend einige Anregungen, wie Sie Selbstsicherheit in täglichen, immer wieder kehrenden Situationen üben können:

Versuchen Sie kleine Übungen dieser Art in Ihrem Alltag einzubauchen. So wie vieles im Leben kann auch die Selbstsicherheit durch Übung aktiv erhöht werden.

Der Realität ins Auge sehen

Wie geht es Ihnen mit nachfolgenden Aussagen?

Sich selbst nichts vorzumachen ist schwierig. Wir alle neigen dazu Dinge schön zu reden - Partnerschaft - Beziehung zu Freunden - Beziehung zu Angehörigen - Ausbildung - Job - Wohnung. Passt das wirklich alles?

Übrigens: Der Realität ins Auge sehen heißt nicht den Schuldigen zu finden.

Kleine Erfolge schätzen

Schon wieder ein Essanfall, daher voll versagt? Stimmt nicht. Nehmen Sie ein Blatt Papier und schreiben Sie auf, was sich in den letzten Monaten in Ihrem Leben verändert hat. Tun Sie dies möglichst konkret, denken Sie insbesondere auch an alltägliche Gegebenheiten, z.B. letzte Woche habe ich es geschafft am Freitag um 17:00 zu gehen, statt noch einen Auftrag meines Chefs zu übernehmen. Letzte Woche, als ich wirklich keine Lust auf Kino hatte, habe ich meine Freundin angerufen und ihr abgesagt.

Nehmen Sie auch kleine Veränderungen wahr, hängen Sie nicht alles auf "Essanfall ja oder nein" auf. Erinneren Sie sich: der Essanfall ist nur das Symptom.

Neue Gedanken und Interessen finden

"Wenn ich nicht mehr ständig an Essen und Abnehmen denkt… woran soll ich dann eigentlich sonst denken? Wie soll ich dieses Vakuum füllen? Wie stoppe ich die ständig kreisenden Gedanken?"

Je mehr Sie an andere Dinge denken, je mehr andere Dinge an Wichtigkeit gewinnen, desto weniger werden Sie an Essen bzw. Abnehmen denken. Dies ist ein längerer Prozess. Die ewig um Essen und Gewicht kreisenden Gedanken verschwinden nicht so einfach. Es ist darüber hinaus gar nicht so leicht herauszufinden, was einem eigentlich richtig Freude macht.

Hier einige Anregungen für diesen Weg:

Parabel Hausbau

Ich finde, der Weg aus der Esssucht lässt sich gut mit dem Hausbau vergleichen:

Stellen Sie sich folgende Situation vor:
Sie stehen auf einem Berg, alleine. Plötzlich fängt es zu regnen und zu stürmen an (= die Herausforderungen des Lebens prasseln auf Sie ein, Sie sind verzweifelt, einsam, wissen nicht wohin). Ihnen wird kalt und Sie brauchen einen Platz, wohin Sie sich flüchten können. Sie brauchen ein (Schutz)Haus (=Selbstbewusstsein und Selbstliebe, sodass Sie sich allen Situationen stellen können ohne die Krücke Esssucht zur Hilfe zu nehmen).

Ein wirklich solides Haus lässt sich allerdings nicht von heute auf morgen bauen. Man muss zunächst einen Keller ausheben und damit eine gute Basis für das Haus schaffen. (= Herausfinden womit Sie es zu tun haben, was bedeutet es, Esssucht zu haben?).

Ein Haus kann man nicht alleine bauen, man braucht die Hilfe von Professionisten (=Psychotherapie, Körperarbeit, Seminare, Vorträge, …..). Gemeinsam wird ein Ziegel nach dem anderen gesetzt. (= Man kann immer nur einen Schritt nach dem Anderen gehen).

Irgendwann ist dann ein Raum fertig. Sie betreten ihn voller Stolz und freuen sich (= kleine Erfolge schätzen). In diesem Raum genießen Sie schon den ersten Schutz (=In vielen Situationen reagieren Sie bereits adäquat, ohne die Krücke Essanfall). Im Zuge des Hausbaus erwerben Sie viele neue Fähigkeiten, z.B. Sie wissen schon, was Sie machen müssen, wenn wieder einmal mal ein Abfluss nicht richtig dichtet (= z.B. können Sie Ihrem Chef schon sagen, wenn Sie wirklich keine Überstunden machen können). Zu Beginn war die Werkzeugkiste noch wie ein Buch mit sieben Siegeln für Sie, jetzt haben Sie einige wertvolle Werkzeuge darin liegen, und Sie wissen, wie Sie sie anwenden können (= adäquat auf Situationen reagieren, z.B. welche Worte benutzen Sie, um auf grundlose Anschuldigungen zu antworten?)

Tja und irgendwann ist das Haus fertig. Ihr Schutzhaus. Sie sind geschützt vor Regen und Wind, Sie sind zu Hause. (Regen und Wind wird es immer geben = ein Leben ohne herausfordernde Situationen gibt es nicht) Damit das Haus weiterhin so wohnlich bleibt und Ihnen genug Schutz bietet, müssen Sie drauf achten, dass es regelmäßig renoviert wird (= man lernt nie aus im Leben, denn es kommen immer wieder neue Situationen und Probleme auf einen zu). Einige Dinge können Sie selbst erledigen, für andere fragen Sie Professionisten. (= auch nach Bewältigung der Esssucht ist man nicht frei von Problemen und kann hin und wieder bei einem Coach oder Therapeuten/in Rat holen.)

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