Aufgrund der zunehmenden beruflichen Möglichkeiten, wächst
der Druck auf Seiten der Frauen, auch beruflich erfolgreich zu sein. Fehler
und Unzulänglichkeiten könnten als Schwäche ausgelegt werden,
und schüren das Vorurteil, daß Frauen für die "harte" Berufswelt
doch nicht geschaffen sind.
Frauen müssen nicht nur ihre Fähigkeiten
beweisen, sondern auch ihr Geschlecht.
Die Mehrfachbelastungen, wie Kindererziehung, Haushalt oder Pflege
von Angehörigen hingegen haben sich für die
Frauen nicht nennenswert verringert. Gemeinsam mit der allerorts steigenden Angst vor dem
Verlust des Arbeitsplatzes bilden diese Faktoren einen guten Nährboden
für die Entstehung eines Burn-Out Syndroms.
Was ist ein Burn-Out Syndrom?
Burnout ist ein Gefühlszustand der
Erschöpfung, der von zuviel Arbeit und Streß und zuwenig Erholung
herrührt. Aber für viele Frauen ist der Streß, die Erschöpfung,
zu einem Normalzustand geworden.
Die eigene Müdigkeit, das Gefühl,
nur mehr eine Arbeitsmaschine zu sein, werden einfach weggeschoben, als
seien sie Bestandteil eines Frauenlebens und sowieso nicht zu ändern.
Die Verleugnung negativer Gefühle - ein Hauptmerkmal des Burn-Out-Syndroms
- erlaubt es, die Augen vor der Realität zu verschließen und
die vielen unangenehmen Gefühle nicht wahrzunehmen: den Druck, die
Frustrationen, die Angst um den Job, die Vereinsamung aufgrund Arbeitsüberforderung
usw. Ignoriert wird auch der Wunsch nach Erholung, nach Geselligkeit, Intimität
oder nach Zeit für sich selbst. Immer ist etwas anders wichtiger,
der Job, die Kinder oder die Anerkennung.
Aber wenn sich frau die Fürsorge für sich selbst vorenthält,
gerät sie in einen langsam ansteigenden Kreislauf von emotionaler
Erschöpfung (ständige Müdigkeit, Schlafstörungen, körperliche
Beschwerden ....), innerer Leere und reduzierter Leistungsfähigkeit.
Welche arbeitsplatzspezifischen Faktoren unterstützen eine derartige
Entwicklung?
1) Überforderung durch Zeit- und Verantwortungsdruck,
2) unklare Ziel- und Erfolgskriterien,
3) Kontrolle durch andere und geringer Handlungsspielraum.
Diese Faktoren sind meist schwer zu verändern, in vielen Fällen
kann jedoch eine externe Beraterin/Coach als Unterstützung herangezogen
werden, um neue Strategien für den Umgang mit sich und anderen zu
erarbeiten.
Für Frauen existieren jedoch noch andere Konfliktkonstellationen,
die eine Burn-Out-Entwicklung fördern:
1) "Weiblicher Perfektionismus":
Burn-Out-gefährdete Frauen haben
eine hohe Erwartung an ihre eigenen Leistungen und große Angst vor
Fehlern. Oft lernten sie in ihrer Kindheit, daß sie dumm und unfähig
seien oder daß Fehler immer Katastrophen auslösten. Diese Angst
spornt natürlich zu Höchstleistungen an und läßt wenig
Muße für entspanntes Erholen.
2) Mangel an Bestätigung und Anerkennung:
Wenn andere die
Anerkennung für ihre Idee, Projekt oder Leistung bekommen, entsteht
Wut und Enttäuschung.
Aber was tun mit diesen Gefühlen? Sich
beschweren könnte frau in die Position der Miesmacherin bringen, runterschlucken
und noch mehr zu leisten verbraucht viel Energie und Arbeitsfreude. Frauen
entscheiden sich dennoch meist für das letztere, da ihnen von Kindheit
an beigebracht wurde, daß sie bescheiden und rücksichtsvoll sein
sollen. "Bescheidenheit ist eine Zier", frau soll zwar Leistungen
erbringen, aber auf die Anerkennung soll sie "großmütig" verzichten.
Frauen kommen sich schnell gierig und unverschämt vor, wenn sie die
ihnen zustehende Anerkennung einfordern. Diese erwartete Bescheidenheit
steht im Widerspruch zu dem Bedürfnis nach Anerkennung und Wertschätzung.
Viele Frauen versuchen diesen Widerspruch durch noch mehr Leistung, noch
mehr Engagement aufzulösen, um dann doch die erhoffte Dankbarkeit
zu bekommen.
3) Legitimationsdruck:
Männer werden von Kindheit an auf eine berufliche
Karriere vorbereitet, Frauen hingegen auf Ehe und Kindererziehung. Entscheidet
sich eine Frau für die Karriere, muß sie täglich um deren
Legitimation kämpfen und sich in ihrer Position beweisen. Für
Frauen mit Kindern verschärft sich dieser Legitimationsdruck noch durch
Schwangerschaften, Pflegeurlaub und das "Rabenmutter-Syndrom".
4) Unterschiedliche Rollenerwartungen:
Immer wieder treffen Frauen auf
die Widersprüche zwischen der von ihnen erwarteten Rolle als Frau
und der Rolle als Kollegin oder Vorgesetzte.
Die Rolle als Frau schreibt
ihnen Eigenschaften wie Bescheidenheit, Fürsorglichkeit, Nachgiebigkeit
vor, sie sollen hübsch anzusehen und immer freundlich und nett sein.
Fast jede Frau ist mit diesem Bild aufgewachsen. Auch im beruflichen Alltag
wird erwartet, daß Frauen sich entsprechend ihrer Rolle verhalten.
Doch um als Kollegin oder Vorgesetzte erfolgreich und respektiert zu sein,
braucht es in unserer Gesellschaft Eigenschaften, die Männern vorbehalten
sind: Selbstbewußtsein, Durchsetzungsfähigkeit und Risikobereitschaft.
Entdeckt frau diese Fähigkeiten in sich, wird sie für andere
leicht zum karrieresüchtigen, kalten und dominanten Mannweib. Frauen
müssen deshalb häufig einen anstregenden Drahtseilakt zwischen
diesen unterschiedlichen Rollen - Erwartungen leisten.
Der Kampf an verschiedenen Fronten kostet viel Energie und Einsatz,
läßt wenig Raum für eigene Bedürfnisse und Unsicherheiten.
Bei Mißerfolgen oder Erschöpfung fühlen sich Frauen oft
als Versagerinnen, ohne jedoch die genannten Widersprüche und die
ständigen real existierenden Überbelastungen mit zu berücksichtigen
und ihre tagtäglichen Leistungen anzuerkennen.
Welche Veränderungen wären erforderlich, wenn Sie bemerken,
daß Sie Burn-Out-gefährdet sind oder die beschriebenen Symptome
bei sich erkennen?
Versuchen Sie zu allererst auf Ihre Gefühle und Bedürfnisse
zu hören und diese ernst zu nehmen.
Wenn Sie sich isoliert und einsam
fühlen, aktivieren Sie FreundInnen und Beziehungen.
Überlegen Sie, was anders sein müßte, damit Ihr Leben für Sie befriedigender
wäre.
Vermindern Sie den verstärkten Einsatz (Druck wegnehmen)
und versuchen Sie herauszufinden, was Sie selbst und was andere von Ihnen
erwarten.
Aber Sie müssen es nicht alleine schaffen. Wenn Sie schon
zu tief in einem Burn-Out -Syndrom feststecken, suchen Sie sich eine Coach
oder Therapeutin, die Sie unterstützt.
Bestehen Sie in allen Lebensbereichen
auf Ihr persönliches Tempo und prüfen Sie, welche der Aufgaben
Sie delegieren können.
Vergessen Sie nicht, daß das tolle Gefühl,
besser und belastbarer als die anderen zu sein, auf Dauer auf Ihre Kosten
geht.
Setzen Sie Ihre Gesundheit und Ihr körperliches Wohlbefinden
auf Ihrer Prioritätsliste wieder weiter nach oben.
Und behalten Sie Ihren Sinn für Humor.