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Von S T I E F M Ü T T E R N und anderen R A B E N M Ü T T E R N
von DSA. Renate Kromer
Die Zahl der Ehescheidungen steigt kontinuierlich, das bedeutet unter andererem: Immer mehr Kinder leben nicht bei - oder nur bei einem Teil der leiblichen Eltern. "Stieffamilien" werden immer häufiger. Dieses Problem als privates Schicksal abzutun, greift zu kurz, Wir brauchen dringend neue Modelle und Orientierungen für neue Formen des Zusammenlebens. Es existiert ja nicht einmal eine idealtypische Vorstellung wie das Leben in einer "Patchworkfamilie" aussehen soll.
Stieffamilien sind oftmals mit Vorurteilen und Wertvorstellungen konfrontiert, die ihnen ihre Situation noch zusätzlich erschweren. Zwar nehmen Väter intensiver an der Betreuung der Kinder teil, doch die Hauptarbeit und ein Großteil der Verantwortung bleibt den Frauen. Oft überfordern sich die Frauen auch selbst, indem sie eine besonders großartige Mutter sein wollen, um dem Klischee der bösen Stiefmutter etwas entgegenzusetzen. Am Beginn steht immer ein Verlust (durch Tod oder Scheidung) und die Sehnsucht, die neue Frau soll diesen Verlust so schnell wie möglich wettmachen, das Vergessen erleichtern, die heile Welt wieder herstellen. Hier lauert eine große Gefahr für die neue Mutter, die neue Ehefrau.
Die andere Frau möglichst reibungslos zu ersetzen, kann nur heißen, sich selbst zu verleugnen, eine Rolle zu spielen, die eigene Persönlichkeit zu unterdrücken, als Person entwertet zu werden.
Doch auf der anderen Seite steht ebenfalls eine Frau, die Mutter, die ihre Kinder verläßt (Witwer und Waisen sind eine Minderheit). Auch berühmte Frauen haben ihre Kinder freiwillig oder unfreiwillig verlassen wie z.B. Ingrid Bergmann, Yoko Ono oder, in letzter Zeit, Hera Lind (große Aufregung in den Medien!). Sie alle wurden von vielen Seiten beschimpft und geächtet.
Dass das Thema interessiert, merkt frau auch daran, dass sich auch Hollywood des Themas annimmt. "Kramer gegen Kramer", "Drei Männer und ein Baby "etc. sind solche Filme.
In diesen Filmen sind die Männer die Helden, bloß weil sie sich um alltägliche Dinge des Kinderalltags kümmern. Die Vernachlässigung von Elternpflichten, der Wunsch nach einem befriedigenden Sexualleben und nach Selbstbestimmung des eigenen Lebensweges werden einer Frau verübelt, während dasselbe beim Mann als normal gilt. Auch bei diesem Thema sieht frau, wer auf der Strecke bleibt und dass bei der Versorgung der Kinder immer noch mit zweierlei Maß gemessen wird.
Renate Kromer ist Diplomsozialarbeiterin, Supervisorin, Leiterin einer Familienberatungsstelle und arbeitet seit Jahren mit "unüblichen" Familienformen.
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