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Küche - Kinder - Frauensache?
von Bettina Reinisch
In ihrem Weißbuch Frauen - Schwarzbuch Männer
beschreiben die beiden Autorinnen Sibylle Hamann und Eva Linsinger
gleichermaßen ausführlich wie eindringlich, warum es uns
Frauen trotz all der Erfolge der vergangenen 30 Jahre noch immer nicht
so wirklich toll geht.
Seltsam, denn vieles wurde erreicht. Angefangen beim
Wahlrecht für Frauen über das Recht zu studieren bis hin zum
Recht der Frau über ihr Leben selbst zu bestimmen reicht die
Palette der Erfolge. Der Feminismus hat tatsächlich viel erreicht.
Aber: Die Männer haben leider nicht so ganz
mitgezogen. Der Mann, der einkauft, kocht und Wäsche wäscht,
die Windeln wechselt und mit dem Kind lernt - kurz, der Mann, der im
Haushalt nicht nur “mithilft”, sondern seinen Teil ganz
selbstverständlich erledigt und sich genauso zuständig
fühlt für all die Dinge, die im Haushalt und bei der
Kindererziehung anfallen, ist ein höchst seltenes Exemplar.
Aber - das haben Hamann und Linsinger fein
herausgearbeitet - er hats auch gar nicht so leicht. Denn die
Rahmenbedingungen, die Gesetze und die Vorgaben der Firmen,
unterstützen Männer nicht, die wirklich, ganz ernsthaft
halbe-halbe machen wollen.
Zu diesen Rahmenbedingungen zählt zum Beispiel,
dass es nach wie vor eine Einkommensschere zwischen Frauen und
Männern gibt, die eklatant ist. Und das Verblüffende: je
besser die Jobs, desto größer die Schere. Frauen verdienen
im selben Job bis zu 30 Prozent (sic!) weniger als ihre männlichen
Kollegen.
Ganz pragmatisch bedeutet das - davon abgesehen, dass
es himmelschreiend ungerecht ist - dass in Partnerschaften in der Regel
ER der besserverdienende Part ist. Finanziell ist es also zweifellos in
99 Prozent der Fälle günstiger, SIE geht mit dem ersten Kind
in Karenz. Und schon ist die alte Ordnung wieder ein bisschen
hergestellt.
Naturgesetz? Wohl kaum. Dass es auch anders geht,
beweisen die skandinavischen Länder und viele andere
europäische Staaten.
Schockierend: Österreich - wie übrigens auch Deutschland -
steht in dieser Einkommensstatistik ganz schlecht da. Da geht es ja den
Frauen in Spanien und Griechenland noch besser.
Wer aber schafft solche Rahmenbedingungen? Naja,
hauptsächlich wieder die Männer. Denn sie sitzen an den
Schalthebeln, in den Ministerien, machen Gesetze und Verordnungen. An
den Menschen vorbei.
Und so werden kompetente Frauen mit hoher Bildung vom
Arbeitsmarkt verdrängt. Sie haben gewaltige Potenziale. Sie wissen
viel, sie können viel, sie leisten viel - wenn man(n) sie
lässt und entsprechende Rahmenbedingungen schafft. Doch gerade
daran mangelt es. Und das ist schlicht und ergreifend - schon aus rein
volkswirtschaftlicher Sicht - pure Verschwendung an Ressourcen.
Darüber hinaus passiert aber noch etwas anderes:
Wie nicht mehr zu übersehen ist, gibt es einen enormen
Geburtentrückgang. Nicht in Island, nicht in Norwegen, auch nicht
in Frankreich (in all diesen Staaten nämlich gibt es
Maßnahmen, die Müttern und Vätern das Leben
erleichtern) - sondern hier in Österreich. Immer weniger junge
Frauen und Männer wollen Elternschaft. Woran liegt das? Viele
trauen sich nicht. Viele sehen zu große finanzielle Belastungen.
Und viele Frauen ahnen, dass sie ohne Kind einigermaßen
emanzipiert leben können, aber mit Kind das Risiko exorbitant
steigt, als Mutter in eine Art Gefangenschaft zu geraten. Zu schwach
sind die Angebote der Männer, wirklich mitzuarbeiten, zu stark
sind andrerseits die Bilder, was eine “gute Mutter” alles
können und leisten muss - für das Kind - und für den
Partner.
Unbewusst wissen junge Frauen: Ein Leben mit Kind wird
kompliziert. Die Rolle als Mutter bürdet zu viel auf. Und deshalb
lassen sie es lieber bleiben.
Und was macht die Politik? Sie schläft. Sie versucht mit
Geldzuwendungen und Väterkarenzmonat Frauen zum Gebären zu
verführen. Ernsthafte und kluge Maßnahmen sähen anders
aus. Schade. Und sehr sehr dumm.
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