Ausgabe 2009 - 2    |   August 2009 - Februar 2010


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Emotionale Erpressung

Zusammengefasst von Doris Kirchmeier (2009)

 

  • Drohen Ihnen Menschen, die in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen, damit, Ihnen das Leben schwer zu machen, wenn Sie nicht tun, was sie wollen?
  • Wollen sie immer noch mehr von Ihnen, gleichgültig, wie viel Sie schon gegeben haben?
  • Übersehen und missachten sie regelmäßig Ihre Gefühle und Bedürfnisse bzw. werden diese einfach wegargumentiert?
  • Machen sie Ihnen großartige Versprechungen (in Zukunft), nur um kurzfristig ihre eigenen Bedürfnisse zu stillen – die Versprechung wird aber kaum bis selten eingehalten oder wieder auf die Zukunft verschoben?
  • Werden Sie von diesen Menschen als selbstsüchtig, gierig, lieblos bezeichnet, wenn Sie nicht einlenken?
  • Werden Sie von Ihnen mit Lob überschüttet, wenn Sie nachgeben und wird Ihnen die Anerkennung entzogen, wenn Sie es nicht tun?
Wenn Sie eine oder mehrere der oben angeführten Punkte mit JA beantworten können, dann werden Sie höchstwahrscheinlich emotional erpresst.

Ziel der emotionalen Erpressung

Bei einer emotionalen Erpressung will eine Person bei einer anderen erreichen, dass sie sich ausschließlich in ihrem Sinne verhält. Hierzu versucht sie, die Gefühle der Person (meist subtil) zu manipulieren. Der „Emotionale Erpresser“ bzw. die „Emotionale Erpresserin“ drängt sein/ihr „Opfer“ weit über die Grenzen einer normalen Beziehung mit Geben und Nehmen hinaus.


Mittel, die hierzu verwendet werden:

  1. Schuldgefühle erzeugen
    „Wenn du es nicht machst, mach ich es halt selbst.“
    „Ich hab mich so gefreut, aber wenn es nicht geht, dann eben nicht.“
    „Ich tu so viel für dich und du aber nicht für mich.“
    Der Partner / die Partnerin soll hier zurückbleiben mit der Idee „Ich bin schuld, dass es ihm/ihr nicht gut geht“.
  2. Wahrheitsverdrehen „das hab ich nie gesagt…“
  3. Negatives Vergleichen
  4. Partner/in unter Druck setzen
  5. Pflichtgefühl des Partners über Gebühr beanspruchen
    „Eine gute Tochter sollte mehr Zeit mit Ihrer Mutter verbringen.“
    „Ich bin dir zur Seite gestanden, als…. Jetzt bitte ich dich….“
  6. Kleine Bemerkungen.
    Der Erpresser / die Erpresserin macht sich gerne über den / die Partner/in lustig, meint jedoch dann, wenn man sich darüber ärgert, dass man (wieder einmal) überreagiert, dass doch alles „nur ein Spaß“ ist, und dass er/sie ja niemanden durch diese kleinen Scherze verletzen will.
  7. ”Mach mich glücklich!“
    Der Erpresser / die Erpresserin wird versuchen, seinem / ihrem Partner/in die Verantwortung für seine/ihre Glückseligkeit zu übertragen. Das Problem daran ist, dass egal was man tut oder sagt, es nie genug sein wird.
  8. ”Lies meine Gedanken.”
     Er/Sie erwartet, dass man seine/ihre Gedanken liest. Das Spielchen heißt “Wenn Du mich wirklich liebtest, WÜSSTEST Du, wie ich mich fühle”
  9. Isolation.
    Der Partner/ die Partnerin wird versuchen, Sie von FreundInnen und Familie zu isolieren.
  10. Veränderung?
    Emotionale ErpresserInnen erwarten, dass sich der Partner / die Partnerin für sie ändert. Allerdings ist es völlig egal, wie sehr man sich ändert (verbiegt), es nie genug sein wird und er/sie dem/der Partner/in immer mehr abverlangen wird.


Das Innenleben des Erpressers / der Erpresserin

Emotionale ErpresserInnen hassen es zu verlieren und können Frustration nicht ertragen. Viele ErpresserInnen haben durch traumatische Kindheitserlebnisse auch kein Einfühlungsvermögen entwickelt (entwickeln können). Ihn/Sie kümmert es nicht, ob er/sie sich Ihr Vertrauen erhalten kann, ob er/sie Ihre Gefühle respektiert, ob er/sie sich Ihnen gegenüber fair verhält.

Der Grund liegt in seiner/ihrer großen inneren Verlustangst und Unsicherheit. Der Großteil der Schuldzuweisungen, Wahrheitsverdrehungen und Selbstgerechtigkeit, die dafür sorgen, dass sich das Opfer schlecht fühlt – und deshalb dem Druck des Erpressers / der Erpresserin nachgibt – hat somit wenig mit dem Opfer zu tun!


Das Innenleben des Opfers – wunde Punkte

Woher kommt es nun aber, dass manche Menschen, ganz gleich wie klug oder gesammelt sie sind, sich emotionaler Erpressung ungeschützt ausgeliefert fühlen, während andere Menschen Versuche von emotionaler Erpressung einfach an sich abgleiten lassen?

Jeder Mensch hat wunde Punkte, die durch das Grundtemperament in Verbindung mit Erfahrungen aus der Kindheit geformt werden. Jeder Punkt enthüllt, wenn er berührt wird, Schichten der persönlichen Lebensgeschichte.

Um sich vor der Berührung der wunden Punkte zu schützen, entwickelt der Mensch eine Reihe von Eigenschaften. Ironischerweise sind es gerade diese Schutzmechanismen, die einen Menschen erpressbar machen:

  1. Ein übermäßiges Bedürfnis an Lob
  2. Eine ausgeprägte Angst vor Wut
  3. Ein starkes Harmoniebedürfnis
  4. Die Tendenz, sich zu sehr für das Leben anderer Menschen verantwortlich zu fühlen
  5. Ein hohes Maß an Selbstzweifeln


Was kann ich tun, um mich von emotionaler Erpressung zu lösen?

Bevor Veränderung möglich ist, muss die Verwirrung darüber, wie die Beziehung zu einem Erpresser / einer Erpresserin funktioniert, geklärt werden. Der Erpresser / die Erpresserin ist fähig, den Druck, den er/sie auf das Opfer ausübt, sehr geschickt zu verhüllen, und oft erlebt man das auf eine Weise, die eine/n an der eigenen Realitätswahrnehmung zweifeln lässt. Folglich fühlt man sich oft verwirrt, orientierungslos und erbittert.


Was kann helfen (Beispiele):

  • Geben Sie sich Zeit.
    Übereilen Sie nichts. Durch die starke emotionale Abhängigkeit braucht es eine sorgfältig überlegte Vorgangsweise, Geduld und Strategie!

  • Informieren Sie sich
    über „Emotionale Erpressung/Verbale Misshandlung“ durch
    Literatur und Internet (Hinweise am Ende des Artikels). Je mehr Sie über das Thema wissen, umso klarer können Sie agieren.

  • Beobachten Sie
    zukünftig alle Dialoge aus dem Ihnen nun neu bekannten Blickwinkel. (Die Erkenntnis, dass es dem Erpresser / der Erpresserin definitiv NUR und ausschließlich nur um sich selbst und die eigenen Bedürfnisse geht, ist oft eine sehr schmerzvolle – aber auch die erste wirklich heilsame Erkenntnis).

  • Ändern Sie Ihren Kommunikationsstil
    Gegen Argumente, Erklärungen, Sichtweisen, Darlegungen, die Sie in der Vergangenheit meist vergeblich eingesetzt haben, ist der Erpresser / die Erpresserin „immun“.
    Sagen Sie statt dessen (auch wenn’s schwer fällt):
    - Es tut mir leid, dass du dich aufregst.
    - Ich kann verstehen, dass du es auf diese Weise siehst.
    - Das ist interessant.
    - Wirklich?
    - Schreien/drohen/weinen/sich zurückziehen funktioniert nicht mehr,
       und es löst auch keine Probleme
    - Du hast vollkommen Recht (Die nicht-defensivste Aussage, die man sich nur denken kann, selbst wenn man sie nicht ernst meint)

  • Weg vom Druck
    Wenn der Druck zu groß wird, verlassen Sie mit einer Ausrede die Situation (muss auf die Toilette, jemand erwartet Rückruf,….) Somit können Sie sich zumindest für eine Zeit dem Druck entziehen, durchatmen und über den Dialog mit Distanz nachdenken, etc…

  • Bauen Sie Ihre Selbstachtung wieder auf
    Schreiben Sie täglich! (Mindestens 12 Wochen lang)
    10 x den Satz „Ich habe das Recht, dass meine Gefühle und Bedürfnisse geachtet und respektiert werden“. Einfach schreiben, wirken lassen. Kleine aber konsequente! Schritte sind ganz wichtig!

  • Ziehen Sie Konsequenzen.
    Jeder Mensch hat das Recht auf einen wertschätzenden Umgang. Holen Sie sich Ihre seelische Freiheit zurück, indem Sie Konsequenzen setzen/ziehen – entweder durch eine Therapie oder auch Trennung.

  • Halten Sie durch
    Sagen Sie sich „ich kann das aushalten“. Nehmen Sie Rückschläge als Erfahrung und nicht als Niederlage hin. Aber gehen Sie Ihren Weg beständig weiter. Es wird Ihnen so gut tun, wenn Sie es geschafft haben.

  • Nehmen Sie Hilfe in Anspruch.
    Durch die hohe emotionale Abhängigkeit, Verwirrung, Angst und Unsicherheiten, ist eine externe Hilfestellung oft unerlässlich.


Beratungsstellen:


Wenden Sie sich an professionelle Beratungsstellen, die bereits mit dem Thema vertraut sind – wie das Institut Frauensache.

Hilfreiche Literatur:
Emotionale Erpressung (Susan Forward, Goldman Verlag ISBN 978-3-422-15089-2) – EUR ca. 12,00
Worte, die wie Schläge sind – verbale Misshandlung in Beziehungen
(Patricia Evans, ISBN 3-499-60571-6)

Internetseite:
http://www.re-empowerment.de
(Unterpunkt: Emotionaler Missbrauch/Verbale Misshandlung)

Hier finden Sie auch hilfreiche Tipps, wie Sie als Angehöriger (Familie, Freund etc.) einem „Opfer“ zur Seite stehen können.

 

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