von © Maga. Andrea
Scheutz (2005)
Was sind Rituale?
Rituale sind eine Form der Informationsübermittlung, die gekennzeichnet
ist durch
¬ Rationalisierung
¬ Mechanisches Handeln
¬ Symbolisierung
Ausschlaggebend für das Verstehen eines Rituals als
spezifische Form der gesellschaftlichen Kommunikation ist die Kenntnis
um die Bedeutung der Symbolik. Diese bestätigt die Mitgliedschaft
zu einer definierten exklusiven Gruppe und grenzt von anderen Individuen
und Gruppen ab.
So hat jede Gruppe ihre eigenen Rituale, Zeichen und meist auch Kleidung.
Das Ritual ist eine Art nonverbaler Kommunikationsform und transportiert
meist in dramaturgisch ausgeklügelter Art und Weise Inhalte mit
der Absicht, sie verständlich zu machen und ihrer Tragweite Ausdruck
zu verleihen.
Durch festgeschriebene ritualisierte Handlungen wird das Neue berechenbar
und die Verwirrung abgeschwächt.
Durch die Begrenzung des Handlungsspielraumes wird Unberechenbares kalkulierbar.
Rituale vermitteln eine Botschaft, ohne viel Worte oder Erklärungen.
Übergangsrituale
sind meist vielschichtig und ermöglichen dem Individuum, soziale
Identität zu erlangen und spezifische Sozialisationsstufen seiner
Gesellschaft zu absolvieren.
In vielen Fällen beinhalten Übergangsrituale das Element des
Schmerzes.
Sie sind notwendig, weil es für soziokulturelle Rhythmen keinen
messbaren Rahmen gibt.
Jede Person, die sich in ihrer Gesellschaft entwickeln will, ist den
Rhythmen dieser eigenen Gesellschaft unterworfen (Schule, Arbeit, Bundesheer
bzw. Zivildienst etc.)
Für das Individuum selbst sind diese Übergänge einmalige
Situationen, im historischen Kontext betrachtet eine regelmäßige
Wiederkehr der sozialen Prozesse. Diese Rhythmen ermöglichen eine
räumliche und zeitliche Ordnung.
Ziel von Übergangsritualen ist es, bedrohliche
und risikoreiche Veränderungen der sozialen Zustände (wie
sie beim Verändern von Lebenssituationen auftreten) zu sichern.Mit
ihrer Hilfe soll der kritische Moment des Wechsels relativiert werden.
Sie brauchen eine starke Symbolik, da die Transformation für alle
sichtbar sein muss.
Übergangsrituale sind in jedem Lebensalter von großer Bedeutung.
Die Sehnsucht nach Struktur ist groß und in einer Welt, die immer
mehr zusammenrückt, von Interesse.
Da vielen von uns die Rituale, die unsere Gesellschaft anzubieten hat,
sinnlos erscheinen, greifen wir immer öfter auf Rituale zurück,
die einer anderen Kultur entstammen.
Besonders inspirierend erscheinen uns die indianischen Rituale.
Da Übergangsrituale aber immer mit der Gesellschaft in Zusammenhang
stehen, in der sie entstanden sind, will ich hinterfragen, ob sie wirklich
das bieten können, was wir uns erhoffen.
Übergangsrituale in unserem Kulturkreis sind augenscheinlich christlich
dominiert. Sie haben an Bedeutung verloren, nicht nur, weil das Interesse
an der Kirche gesunken ist. Auch diese Rituale wurden aus dem Zusammenhang
gerissen und konnten, da von der Wurzel – die in der heidnischen
Wicca-Tradition liegen – abgeschnitten, nicht angemessen weiter
entwickelt werden.
Bis ins 16. Jahrhundert gab es auch bei uns verbindliche Pubertätsriten,
die aber vor allem für männliche Jugendliche galten.
Am sinnvollsten erscheint mir eine Belebung der Rituale, die unserem
Kulturkreis entstammen, da sie im Kontext mit dem gesellschaftlichen
Leben stehen und dadurch wichtige, für uns brauchbare Informationen
weitergegeben werden.
(Hermine Theuer bietet ab Februar 2004 einen Ausbildungslehrgang
in “Rituelle Körperhaltungen und Ekstatische Trance nach
Felicitas Goodman“ an.
Informationen zu diesem Lehrgang erhalten Sie ausschließlich unter
Andrea.Scheutz@chello.at
oder 0699/19452624 oder www.scheutz.at.
Einen Artikel zu “Rituelle Körperhaltungen”
von Hermine Theuer finden Sie hier.)