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Männersache Herzinfarkt?
Gender Differences in der Kardiologie
von © Drin. Hannelore Nöbauer
(2002)
Zahlreiche Studien aus der internationalen Medizinliteratur untersuchen Geschlechtsunterschiede in der Kardiologie bezüglich der Untersuchungsmethoden, Symptome, medikamentösen Therapien, Morbidität, Mortalität und Risikofaktoren. Viele Untersuchungen berichten über eine höhere Akutmortalität und einen geringeren Zugang zur Spitzenmedizin für Frauen - viele Frauen "verschwinden" auf dem Weg durch die kardiologische Diagnostik und Therapie. Die Ursachen dafür sind nicht eindeutig zu beweisen, die Tatsache aber ist unwiderlegbar. "Herzrisiko" und "Herzinfarkt" sind nach wie vor weitgehend männlich besetzt. Viele Substanzen wurden an Frauen einfach nicht getestet. So wurde zum Beispiel Aspirin in einer großen amerikanischen Medikamentenstudie an keiner einzigen Frau getestet! Vom "Yentl-Syndrome" ist die Rede - müssen sich Frauen denn wirklich erst als Männer verkleiden, um ernst genommen zu werden und eine optimale Behandlung ihrer Herzkrankheit zu erfahren? Im Auftrag des Zukunftsministeriums wurden beim Ludwig Boltzmann-Institut für kardiologische Geschlechterforschung in Innsbruck (Leiterin: Prof. Dr. Margarethe Hochleitner) für das Jahr 1995 sowie für das Jahr 2000 Studien zur Herzsituation in Tirol als Beispiel für ein österreichisches Bundesland in Auftrag gegeben. Sowohl im Jahr 1995 wie 2000 (wie auch in den letzten Jahrzehnten) starben in Tirol zahlen - und prozentmäßig mehr Frauen als Männer einen Herztod, wie man aus der unten stehenden Tabelle ersehen kann. Auffallend an der Todesfallstatistik war bei den Herztoten generell, dass zwar bei Herzinfarkten ein höherer Männeranteil aufscheint, allerdings bei allen anderen unklarer definierten Herztodesursachen ein höherer Frauenanteil. Dem entspricht auch ein geringerer Frauenanteil an den Obduktionsfällen.
Zwischenzeitlich wurden sowohl die Herzchirurgie als auch das Herzkatheterlabor ausgebaut. Bilanz im Jahr 2000 (siehe Tabelle): Zusammenfassend entsprechen die Daten für Tirol trendmäßig der internationalen Literatur. Eine wesentliche Trendumkehr kann innerhalb von fünf Jahren auch nicht erwartet werden. Es ist nicht sehr verwunderlich, dass die Verdoppelung der Herzkatheterplätze zwar zu einer Verdoppelung der Herzkatheteruntersuchungen bei Frauen geführt hat, der Trend zugunsten der Männer aber sogar noch zugenommen hat, was auch für die Bypass-Operationen zutrifft. Der dramatischste Befund ist die Zunahme der weiblichen Herztodesfälle um 9,5 Prozent wie der Todesfälle an koronarer Herzkrankheit bei Frauen. Dies trifft nicht für Männer zu.
Über Ursachen für dieses Faktum kann aufgrund der vorliegenden Daten nur spekuliert werden. Bei der häufig angeführten hohen und laufend steigenden Lebenserwartung für Frauen ist zu bedenken, dass die Lebenserwartungssteigerung im Beobachtungszeitraum von 5 Jahren allerdings für Frauen nur bei +1,45% gegenüber Männern bei +2,55% liegt.
"Herzrisiko" und "Herzinfarkt" sind also nach wie vor noch weitgehend männlich besetzt. Grundvoraussetzung dafür ist, dass Frauen als Herzpatientinnen ernstgenommen werden.
Quelle:
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