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K O M M U N I K A T I O N S P R O B L E M Ezwischen F R A U E N und M Ä N N E R N im B E R U F S L E B E N
von © Sanja Kovacic (2002)
Nach dem Motto von Watzlawick, "man kann nicht nicht kommunizieren" bedienen sich diese Seminare der Ergebnisse psychologischer Studien zur Körpersprache, damit nicht die der verbalen Kommunikation durch Gestik und Mimik mitgelieferte Zusatzinformation die Glaubwürdigkeit verbaler Äußerungen beeinträchtigt. Nicht jedes Kommunikationsseminar bringt den Frauen Vorteile. Bei den gemischtgeschlechlichen Seminaren zum Beispiel, wird die frauendiskriminierende Position in kommunikativen Beziehungen neu hergestellt und verfestigt. Frauenspezifische Themen und Lebenszusammenhänge werden ausgeklammert, die Kommunikation und Rhetorik orientiert sich an der Norm, und diese ist männlich konstruiert. Für Frauen zielen gemischte Seminare in der Regel auf eine Anpassung ihres Verhaltens an das weibliche Rollenstereotyp und die Akzeptanz der herrschenden Geschlechterhierarchie. Frauen erfahren die gleichen Diskriminierungsformen wie im Beruf und werden gleichzeitig in ihrem "weiblichen" Verhalten geschult, d.h. bei Fügung "belohnt" und bestärkt, bei Abweichung negativ sanktioniert. Der derzeit gültige Geschlechterdualismus mit seiner eingeschriebenen hierarchischen Struktur ist hier nicht a priori gegeben, sondern wird erst durch die symbolische Ordnung immer wieder aufs neue konstituiert. Eine wesentliche Rolle dabei spielt die Sprache, die nicht die Realität abbildet, sondern jenen Rahmen darstellt, mit dem Bedeutungszuweisungen und Bezeichnungen in einem kontinuierlichen Prozeß erst hervorgebracht werden.
Es ist davon auszugehen, daß es Unterschiede in dem kommunikativen Stilen von Frauen und Männern gibt.
Männliche Kommunikation zeichnet sich durch Machtstreben und Dominanzverhalten aus, z.B. Männer bestimmen die Gesprächsthemen und steuern den Gesprächsverlauf, indem sie mehr Themen einführen als Frauen, die Frauen unterbrechen, dazu neigen, sie verbal und nonverbal zu belehren, zu bevormunden bzw. die Redebeiträge von Frauen zu ignorieren.
Diese verbalen Kommunikationsstrukturen werden durch nonverbale geschlechtsspezifische Interaktionen verstärkt. Das bedeutet, daß die Geschlechterhierarchie nicht nur auf die Verhaltensebene beschränkt bleibt, sondern sich auf der symbolischen Ebene der Bedeutungen und Bedeutungszuweisung fortsetzt. Indem identisches Verhalten geschlechtsspezifisch unterschiedlich interpretiert wird (zB. kräftige Stimme beim Mann positiv, bei der Frau negativ), erfolgt eine Kontrolle über die Aufrechterhaltung der Geschlechterordnung. So zeigen Männer in nonverbaler Kommunikation ritualisiertes Dominanzverhalten in Form von Dominanzgebärden und Imponiergehabe, nehmen mehr Raum ein und drücken durch ihre Körpersprache (z.B. Drohstarren, Aufblähen des Brustkorbes) allein schon Dominanz, Kontrolle und Machtstreben aus. Unterwerfungsrituale als komplementäres Element hingegen symbolisierten Unterordnung, indem jede Form von Verkleinerung (Körperhaltung, Mode, Gestik und Mimik) einen freiwilligen Verzicht auf Konkurrenzverhalten signalisiert. Es ist sehr schwierig, stereotypes Kommunikationsverhalten aufzubrechen, denn die Frauen können es "sowieso nicht richtig machen". Behalten sie ihr weibliches Sprachverhalten, bleiben sie abschwächend und höflich, bescheiden und unauffällig, gestehen sie den Gesprächserfolg den Männern zu und bleiben sie im akzeptablen Rahmen, dann bestätigen sie damit ihren niedrigen Status gegenüber Männern. Treten sie aber heraus und übernehmen das Sprachverhalten, das den Männern zugesprochen wird, werden sie inakzeptabel und werden gerade darum auch nicht ernst genommen. Frauen sind im Berufsleben sowohl mit offener Diskriminierung als auch im stärkeren Ausmaß mit subtilen Strategien der Be- und Verhinderung konfrontiert. Indem kommunikatives Handeln als Interaktion jede berufliche und private Beziehung steuert, ist die Bewußtseinwerdung von geschlechtspezifischem Sprachverhalten eine der wesentlichen Voraussetzungen, Veränderungen einzuleiten. In frauenspezifischen Kommunikations- und Persönlichkeitstrainings erfolgt eine Bewußtwerdung und Bearbeitung geschlechtsspezifischen Verhaltens in vier Stufen: Frauenspezifische Kommunikations- und Persönlichkeitstrainings zielen also in erster Linie auf die Wahrnehmung frauendiskriminierenden Verhaltens und auf die Einübung alternativer Handlungsweisen zur Herbeiführung einer Veränderung ab.
Es besteht laut den Trainerinnen kein Zweifel daran, daß frauenspezifische Seminare den Frauen mehr einbringen als gemischte. In gemischten Seminaren verwenden die Männer sehr viel Zeit darauf, ihre Positionskämpfe auszufechten.
Die unterschiedliche Atmosphäre zwischen frauenspezifischen und gemischten Seminaren wird durch unterschiedliches Sprachverhalten und Verhaltensweisen zwischen Frauen und Männern hergestellt. |
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