von © Claudia Kubin ( 2004)
In der Mal- und Gestaltungsarbeit geht
es weder um Leistung noch um den künstlerischen Wert eines Produktes,
sondern um den kreativen Prozess und seine anschließende Reflexion.
Kreativität ist die schöpferische Kraft, etwas Neues
entstehen zu lassen.
Kreativität heißt aber auch, etwas zu finden,
was bereits in uns angelegt ist. Zumeist haben wir es aber - aufgrund
einschränkender Erziehungsmaßnahmen und einseitig rationaler
Einstellung - ausgeblendet oder vergessen.
Kreativität ist die Kraft, die uns ungewohnte Situationen bewältigen
lässt und Veränderungen möglich macht. Damit ist sie
ein entscheidender Faktor für Fortschritt und Wandel.
Ein Seelenbild braucht niemandem zu gefallen, sondern zeigt, was an
Gefühlen, Stimmungen und Wünschen da ist und ausgedrückt
werden will. Schöpferisches Tun kann sehr rasch den Zugang zu Unbewusstem
und Verdrängtem oder wenig gelebten Gefühlsbereichen öffnen.
Ein großes Methodenangebot - von
der Malerei über das Plastizieren, die Collage, das Rollenspiel,
die Bildaufstellungsarbeit, den Einsatz von Musik bis hin zum biographischen
Schreiben - bietet vielfältige Möglichkeiten zur Entdeckung
der inneren Ressourcen und eigenen Ausdrucksmöglichkeiten.
Besonders wenn ein Mensch unter Fehlhaltungen oder Erkrankungen
leidet, können derartige therapeutische Interventionen hilfreich
sein, um den persönlichen Individuationsprozess wieder ins Fließen
zu bringen. Individuation bedeutet Ganzwerdung, "der (die) zu werden,
der (die) man ist."
Es sollen hemmende Lebensthemen mittels
Gespräch und kreativer Übung bewusst gemacht werden. Ein neuer
Umgang mit den eigenen Gefühlen, Haltungen und Einstellungen soll
innerhalb des therapeutischen Prozesses erfahren werden. Das gemalte
Bild oder die geformte Figur ist ein Symbol und wird als solches gewertet.
Ähnlich wie in der Traumarbeit (C.G. Jung) weiß nur die jeweilige
Person selbst um die Bedeutung oder den Zusammenhang des Symbols Bescheid.
Der/die Mal- und GestaltungstherapeutIn ist BegleiterIn und Fragende/r.
Der Weg zur Interpretation eines Werkes liegt im Patienten/Patientin
bzw. Klienten/Klientin selber.
Somit lösen sich mögliche Blockaden und Hemmungen, der eigene
Standpunkt wird neu definiert und der Zugang zur Welt verändert
sich. Dies hat eine unmittelbare Auswirkung auf das Meistern der verschiedenen
Aufgaben, welche uns vom Leben gestellt werden.
Vorteile der Mal- und Gestaltungstherapie
- Das Malen und Gestalten erlaubt einen direkten Ausdruck von Träumen,
Phantasien und anderen inneren Erfahrungen, die eher als Bilder denn
in Worten auftauchen. Es ist ein nonverbaler Austausch möglich.
- Ins Bild gebrachte Projektionen entkommen der inneren Zensur wesentlich
leichter als verbal geäußerte, so dass der therapeutische
Prozess beschleunigt wird.
- Die Autonomie der Malenden/ Gestaltenden wird gefördert. Sie
lernt mehr und mehr mit ihren eigenen Bildern umzugehen und sie für
ihre Entwicklung einzusetzen.
- Oft entdecken die Malenden/ Gestaltenden in ihren Bildern eine Kraft,
Stärke und Lebendigkeit, die sie bisher an sich nicht wahrgenommen
haben. Das wiederum stärkt ihr Selbstvertrauen und ihren Glauben
daran, ihre Probleme lösen zu können.
- Kommunikationsmöglichkeiten werden erweitert und vertieft. Der
Zugang zu sich und den anderen über das Wort ist manchmal versperrt.
In der Bildsprache aber gleitet das Unbewusste ohne Mühe, fordert
Erkennen, gibt Ermutigung und Bereicherung.
- Der Gestaltungsvorgang nimmt gefangen und bindet die Aufmerksamkeit.
In diesen Momenten der Versunkenheit ist die Seele befreit von den Fesseln
ihrer sonstigen Konflikte und Ängste. So lassen sich "Inseln
des Glücks" schaffen, die unabhängig von anderen Menschen
wieder betreten werden können.
Wo kann Mal- und Gestaltungstherapie eingesetzt
werden?
Im pädagogischen Bereich:
In Zusammenarbeit mit dem schulpsychologischen Dienst, Integrationsklassen,
Kindergarten Elternarbeit, Freizeitprojekte, Berufsberatung und Personaltraining,
etc..
Im sozialen Bereich:
Aufbauarbeit im Gefängnis, in Alters- und Pflegeheimen, Wohngruppen
und Frauenhäusern, psychosozialer Dienst, Arbeit mit gefährdeten
Kindern und Jugendlichen, mit Behinderten, etc..
Im ärztlich-klinischen Bereich:
Als Erweiterung der ergo- und logotherapeutischen Tätigkeit, Psychosomatik,
Rehabilitationsanstalten, als Erweiterung der suchttherapeutischen Arbeit,
am Krankenbett, Tages- oder Nachtkliniken, Aidsspital, Sterbebegleitung,
Angehörigenarbeit, etc..
Im wirtschaftlichen Bereich:
Firmengestaltungen, Ausstellungen, Firmenkonzepte und Kaderschulung,
kulturelle Weiterbildungen, Kurse, kreatives Teamtraining und systemische
Konfliktarbeit, etc..
Im spirituellen Bereich:
Kirchliche Gemeindearbeit, Religionsunterricht, Bibelarbeit, interkonfessioneller
Austausch, Meditationsgruppen, etc..
Im eigenen Atelier / Praxis:
Selbsterfahrungsseminare für Kinder, Jugendliche und Erwachsene,
Männer- und Frauengruppen, Paararbeit, in Kombination mit Psychotherapie,
Körper-, Musik- und Tanztherapie, etc..